Forschungs- und Beratungsstelle für betriebliche Arbeitnehmerfragen

Handbuch Personalplanung

Vorwort

Personalplanung, vor 20 Jahren meist noch ein Fremdwort, ist heute fester Bestandteil von Unternehmensplanung und Betriebspolitik und damit ein bestimmendes Element des Arbeitslebens. Von ihrer praktischen Gestaltung hängen Tausende von Arbeitnehmerschicksalen ab, gerade in Zeiten einer beschleunigten Personalanpassung. Schlanke Produktion ist heute Trumpf, durch ein schlankes Management und verschlanktes Personal. Das unternehmerische Erfolgsrezept besteht zum Glück aber bei weitem nicht nur in Personalabbau oder entsprechender -kosteneinsparung. Die neueren Management-Philosophien verlangen vielmehr, die vorhandenen Arbeitskräfte optimaler, d. h. motivierter zu einem gemeinsamen Einsatz zu bringen. Nicht die Quantität, sondern die Qualität der Arbeit ist oft das Problem, das letztlich über die Stellung im internationalen Wettbewerb mitentscheidet. Gestaltende Personalplanung, der möglichst positive Einsatz der Ressource Mensch, ist die zukunftsbestimmende Frage.

Interessenvertretung im Bereich der betrieblichen Beschäftigungspolitik muss daher den traditionell oft vorherrschenden, auf Abwehr von (sicherlich oft negativen) Veränderungen gerichteten Schutzgedanken erweitern durch einen mitdenkenden und die sich hier bietenden Chancen bewusst nutzenden Ansatz. Ohne eine in ihrem ganzen Wissen und Können ernst genommene Belegschaft, ohne weitgehend selbständig handelnde Teams jenseits streng abgegrenzter Hierarchien ist wirtschaftlicher Erfolg in einer fortgeschrittenen Dienstleistungs- und Industriegesellschaft in Zukunft kaum vorstellbar.

Die neueren Technologien befördern diesen Trend. Zugleich aber gefährden sie ihn durch ihre arbeitssparenden, produktivitätsfördernden Effekte. Der Mensch wird damit in zwar unterschiedlichem Ausmaß, aber im Trend ersetzbar und ständig weiter entbehrlich. Die betriebliche Beschäftigungspolitik braucht auch aus diesem Grund eine stabile Linie sowie neue Impulse: Die Verteilung der Arbeit in Betrieben und Verwaltungen wird zum mitentscheidenden Zukunftsproblem. Der Schritt bei der Volkswagen AG zur 4-Tage-Woche setzt ein neues Signal. Eine Renaissance der Arbeitszeitverkürzung kam daraufhin in Gang. Sie ist inzwischen sehr rasch zu einem neuerdings von allen Seiten anerkannten Instrument der betrieblichen Personalregulierung geworden, wie die neueren beschäftigungsorientierten Tarifverträge vom Frühjahr 1994 mit ihren jeweiligen Öffnungsklauseln in ganz unterschiedlichen Branchen (chemische Industrie, Bergbau, Metall und Stahlindustrie, öffentlicher Dienst in Ostdeutschland) beweisen.

Alles dies stellt neue Anforderungen gerade auch an die Betriebsräte. Diese Situation verlangt von ihnen für eine wirksame Interessenvertretung neuartige und erweiterte Aktivitäten. Betriebsräte wollen und müssen mehr sein als eine soziale Feuerwehr für bestimmte Einzelfälle. Personelle Einzelmaßnahmen werden im wesentlichen durch längerfristige planerische Überlegungen vorausbestimmt. Erst durch die Kenntnis der Personalplanung und ihrer jeweiligen Instrumente im Unternehmen können die daraus folgenden personellen Auswirkungen frühzeitig erkannt und korrigierend beeinflusst oder gestaltet werden. Die Betriebsräte brauchen dafür aber auch die nötige fachliche Unterstützung. Dieser Herausforderung hatten sich die Herausgeber und Autoren dieses Bandes zu stellen. Ihre Aufgabe war es somit, nach einer längeren Erscheinungspause gewerkschaftsnaher Literatur auf diesem Gebiet ein völlig neugestaltetes Handbuch der Personalplanung vorzulegen und so die seit Beginn des vergangenen Jahrzehnts entstandene Lücke zu schließen.

Das vorliegende Buch richtet sich in erster Linie an die mit Fragen der Personalpolitik ständig konfrontierten Betriebs- und Personalräte sowie an die auf diesem Feld aktiven Gewerkschafter, insbesondere auch in den jeweiligen Schulungseinrichtungen, aber auch an das Personalmanagement im Betrieb ebenso wie an Wissenschaftler und die interessierte Öffentlichkeit. Für die Autoren ergab sich daraus die Pflicht, die schwierige Materie jeweils allgemeinverständlich, konkret und möglichst praxisnah mit einer Vielzahl von Beispielfällen darzustellen. Zu berücksichtigen war dabei die äußerste Vielgestaltigkeit der Personalpolitik. Denn es gibt nicht die Personalplanung. Sie ist verschieden in Groß- und Kleinbetrieben, ebenso auch in den einzelnen Branchen. Die Verfasser haben versucht, jeweils Beispiele aus den unterschiedlichen Wirtschaftszweigen sowie größeren und kleineren Betrieben zu finden und darzustellen. Dieser Anspruch war natürlich flächendeckend nicht zu erfüllen.

Personalplanung soll die unterschiedlichen Interessen von Beschäftigten und Unternehmen ausgleichen. Der vorliegende Band ist daher alles andere als ein Handbuch für Personal- oder Betriebsleiter mit jeweiligen Tipps, wie man seine Interessen am besten durchsetzt. Es ist aber auch keine Handlungsanleitung nur für Betriebsräte. Denn Personalpolitik verlangt aus der Natur der Sache heraus immer ein abgestimmtes und letztlich gemeinsames Vorgehen, soll sie Erfolg haben.

Der Aufbau des Handbuchs versucht, dem gerecht zu werden. Es zeigt die veränderte Stellung der Personalplanung und -politik in der Unternehmensplanung (Teil A), ihre wichtigsten Einzelbereiche - von der Bedarfsermittlung bis zur Abbauplanung - und Querschnittsprobleme (Teil B), die Verknüpfung mit der Tarifpolitik sowie die notwendige Informationsverarbeitung durch Kennziffern als Form eines arbeitnehmerorientierten Controlling (Teil C). Abschließend liefert es einen Überblick über den rechtlichen Entwicklungsstand im Bereich der Personalplanung (Teil D).

Jeder Teil und jedes seiner Kapitel können einzeln gelesen werden. Zahlreiche Querverweise (auch auf die jeweiligen Unterabschnitte) sowie das ausführliche Stichwortverzeichnis erleichtern dem Leser die Orientierung und ein schnelleres Auffinden der gesuchten Antworten. Das Handbuch kann insofern auch als Nachschlagewerk benutzt werden. Mit seinen vielfältigen Übersichten und Hinweisen auf weiterführende Literatur dient es zugleich als systematische Einführung.

Die Autoren sind zugleich Wissenschaftler und Gewerkschafter, die bemüht sind, praktische Erfahrungen und Expertenwissen zusammenzuführen. Das gelingt natürlich nicht immer lückenlos in sämtlichen Einzelfragen- vor allem nicht in Bereichen, wo vielfach noch, wie etwa bei der Personalentwicklung und -qualifizierung, Neuland für Betriebsräte und Gewerkschaften zu betreten ist, oder die gegebenen Rechte und vertraglichen Möglichkeiten erst ansatzweise genutzt werden. Kritische Hinweise und Anregungen sind den Herausgebern und Verfassern daher willkommen, vor allem aus der Erfahrung bestimmter Fallbeispiele der betrieblichen Praxis. Denn das Handbuch soll künftig weiterentwickelt und aktualisiert werden. Nur durch kontinuierliche Verbesserung behält es seinen Wert für den Praktiker und die gerade auf diesem Gebiet immer wichtigere Bildungstätigkeit und die Information der Betriebsräte.

Gerhard Bosch
Heribert Kohl
Wolfgang Schneider

Über die Herausgeber:

  • Prof. Gerhard Bosch ist stellvertretender Leiter des Instituts Arbeit und Technik (IAT) des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen in Gelsenkirchen.
  • Dr. Heribert Kohl ist selbständiger Fachautor, Redakteur sowie Dozent von Betriebsräteseminaren, u.a. im Bereich Personalplanung.
  • Wolfgang Schneider ist beim DGB-Bundesvorstand zuständig für Fragen des Arbeitsrechts und der Betriebsräte.